Dr. Alexander Krüger / 25. März 2014 / Keine Kommentare


Hemmt der Konflikt in der Ukraine das Wirtschaftswachstum?

Lageindex hoch, Erwartungsindex runter: Per saldo scheint das ifo-Geschäftsklima im März weniger hell als im Vormonat. Hierzu dürfte vor allem der Krim-Konflikt beigetragen haben. Eine Kommentierung von Dr. Alexander Krüger.

Vom robusten Indexniveau geht aber weiter ein klares Aufschwungsignal aus.Der ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland ist im März um 0,6 auf 110,7 Punkte gesunken. Aufgrund des geringen Rückgangs kann von einer Stimmungseintrübung aber keine Rede sein. Die aktuelle Geschäftslage wurde von den befragten Unternehmen erneut als besser beurteilt (+0,8 Punkte).

Wachstumsbeschleunigung im laufenden Quartal

Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2013 stützt das aus historischer Sicht robuste Indexniveau damit unsere Erwartung einer Wachstumsbeschleunigung im laufenden Quartal. Erneut nachgegeben haben dagegen die Geschäftserwartungen (-1,9 Punkte). Deren nennenswerter Rückgang ist wohl auf die während des Befragungszeitraums temporär drohende Eskalation des Krim-Konflikts und die ungebrochene Euro-Stärke zurückzuführen. Der 6-Monatsdurchschnitt des Geschäftserwartungsindex ist aber nochmals gestiegen.

Kein Stimmungseinbruch zu erwarten

Die aktuelle Entwicklung des ifo-Geschäftsklimaindex werten wir nicht als Auftakt zu einem Stimmungseinbruch. Dessen weiteres Aufwärtspotenzial dürfte aber sehr begrenzt sein. Dies liegt daran, dass der Effekt über die Erleichterung der Nicht-Eskalation der Staatsschuldenkrise, die den Index aus unserer Sicht in den vergangenen Monaten stark angetrieben hat, weiter nachlassen dürfte. Vor allem aber ist der Konjunkturzyklus in Deutschland bereits deutlich weiter fortgeschritten als in anderen (EWU-)Ländern. Damit dürften schlicht die Treiber fehlen, die den Höhenflug des ifo-Geschäftsklimas vom aktuellen Niveau aus noch dauerhaft befeuern werden. Auf Sicht der nächsten Monate erwarten wir den Index daher zwischen 109,5 und 112 Punkten.
Die Stimmung bleibt damit weiter gut, sie wird sich unseres Erachtens weiter positiv in den Konjunkturdaten widerspiegeln. Die zuletzt nicht mehr gestiegenen Geschäftserwartungen lassen für das zweite Quartal 2014 aber ein im Vergleich zum ersten Quartal nachlassendes Wachstumstempo erwarten.

Erholung der Weltwirtschaft durch Krim-Krise bedroht?

Vom Konflikt in der Ukraine gehen Wachstumsgefahren aus. Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland würden die deutschen Exporte belasten, ihr Anteil an den Gesamtexporten ist mit 3,3% aber überschaubar. Problematisch wären vielmehr ein Lieferengpass bei Gas und ein Vertrauensrückgang, der die Erholung der Weltwirtschaft aufgrund der aktuellen (und wohl andauernden) diplomatischen Eiszeit zwischen Russland und den G7-Staaten noch mehr in Frage stellte, als es die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus China bereits tun.



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