Ursula Pidun / 25. Februar 2014 / 9 Kommentare


Bankenkrise – Ist nur der totale Crash die Lösung?

Die Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik sind überzeugt, dass die sogenannte Eurokrise lediglich mit den historisch niedrigen Zinsen und der dadurch entstanden Geldflut in die Zukunft verschoben wird. Mit Blick auf das fragwürdige Krisenmanagement sind sie sicher: "Der Crash ist die Lösung. " Wir haben nachgefragt.

Die Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik halten den "Crash" für die Lösung (Foto: Friedrich & Weik)

Die Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik halten den „Crash“ für die Lösung
(Foto: Friedrich & Weik)

Die Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik, die mit ihrer spektakulären Publikation „Der größte Raubzug der Geschichte“ viel Aufsehen erregten, legen nach. Im Mai 2014 erscheint eine weitere Publikation zur bisher nicht gelösten Banken-Euro-Schuldenkrise mit dem Titel „Der Crash ist die Lösung. Die Autoren entlarven, übersetzen und verdeutlichen den Status Quo. Darüber hinaus aber wollen sie auch konstruktiv gestalten und Alternativen sowie Lösungsmöglichkeiten aufzeigen – sowohl für das eigene Vermögen als auch für das marode System. Wir haben nachgefragt.

Es ist still geworden um die vermeintliche Euro-Krise. Hat sie sich in Luft aufgelöst oder wurde von den politischen Akteuren etwas inszeniert, was sich von Bürgern bzw. Außenstehenden nicht nachvollziehen lässt?

Leider nicht! Die Krise wurde lediglich mit den historisch niedrigen Zinsen und der dadurch entstanden Geldflut in die Zukunft verschoben. Erst vor kurzen hat die EZB beschlossen, die Zinsen weiterhin im Keller zu belassen zu unser aller Nachteil. Dies beweist, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist. Dafür sehen die volkswirtschaftlichen Eckdaten sowie die Arbeitslosenzahlen in Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien, Portugal etc. zu verheerend aus. Zudem bastelt unser Finanzminister ja schon an einem dritten Hilfspaket für Griechenland. Die Krise wird uns schneller wieder begegnen als uns lieb ist.

Die Bürger scheinen mit der Krisenintervention der Kanzlerin zufrieden zu sein. Sonst wäre Angela Merkel nicht wiedergewählt worden?

Na ja, was waren den die Alternativen? Die Wiederwahl beruht auf dem Mangel an Alternativen. Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Ein weiterer Punkt der Wiederwahl war die pure Bequemlichkeit. Frau Merkel hat viel von Kohl gelernt. Aussitzen, durchlavieren, alle Türchen offen halten und nur nichts hektisch entscheiden. Phlegma durch und durch. Davon haben sich wohl viele Bürger einlullen lassen. Nun haben wir eine große Koalition, die im Notfall mit ihrer absoluten Mehrheit von über 75 Prozent sogar das Grundgesetz ändern könnte. Wohl ist mir bei dem Gedanken an diese Regierung nicht. Aber wie heißt es so schön: Jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient. Na, dann gute Nacht.

Viel Bürger grübeln noch immer, was der tatsächliche Auslöser der Krise war. Haben wir es nicht in Wahrheit mit einer Bankenkrise zu tun, für die nun ganz Europa – jedes Land auf seine Weise – herhalten muss?

Das Grundproblem ist unser Geldsystem – was nun nachweislich gescheitert ist und nur unter enormen Anstrengungen am Leben erhalten werden kann. Seit 2008 haben wir eine Dauerkrise und die Politik hat keine Lösung parat. Wir müssen auch viel tiefer gehen. Wir haben nicht nur eine Banken-, Euro-, Finanz-, Vertrauens- und Griechenlandkrise, nein wir haben eine Systemkrise. Eine menschliche Krise. Zuviel ist auf der Wohlstandsleiter nach oben verloren gegangen, z.B. Werte, Anstand, Moral etc. Das rächt sich nun bitter. Wir alle werden für die Krise bezahlen und bluten müssen.

Sie sagen: „Wir alle werden für die Krise bezahlen und bluten müssen.“ Wäre es nicht besser, wenn allein die Verursacher zahlen und bluten? Und welches Szenario müssen wir uns unter „zahlen und bluten“ überhaupt vorstellen?

Wir alle werden ja schon durch die Niedrigzinsphasen der Notenbanken schleichend enteignet, denn die Verzinsung unserer Guthaben liegt weit unter der offiziellen Teuerungsrate. Des Weiteren wurden schon verschiedene Steuern wie etwa die Grunderwerbssteuer empfindlich angehoben. In Berlin z.B. auf sechs Prozent.

Zudem begrüßte die deutsche Bundesbank vor kurzem den Vorschlag des IWF, die Bürger mit einer einmaligen Zwangsabgabe an der Krise zu beteiligen. Im Raum stehen 10 – 30 Prozent auf alle Vermögenswerte. In Zypern wurden die Bürger schon enteignet. Dies ist im Übrigen nun europäisches Gesetz und kann jederzeit angewendet werden. Ich könnte leider etliche weitere Beispiele nennen.

Mit anderen Worten gilt bei der Banken-Schuldenkrise das Verursacherprinzip nicht, während der normale Bürger sich niemals derart aus der persönlichen Verantwortung stehen könnte?

Ja, das ist richtig. Das Verursacherprinzip gibt es nicht. Die Finanzindustrie hat es geschafft die Last und Schuld auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Perfide aber genial. Dadurch, dass die Banken und Versicherungen „systemrelevant“ sind, werden sie andauernd gerettet. Egal was sie machen. Seit 2008 hat die Finanzbranche nichts geändert oder gelernt. Wobei: Ich muss mich korrigieren. Sie hat gelernt, dass man den Steuersäckel beliebig plündern kann, keine Konsequenzen befürchten muss und das Geld zu Spekulationszwecken über die Notenbanken dann auch noch fast kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Durch das Bail-in Gesetz, welches erstmals in Zypern angewendet wurde, müssen die Bankkunden im Notfall für die Spekulation ihrer Bank haften. Die Krisenverursacher sind die Krisengewinner. Die Banken schreiben wieder Rekordgewinne und schütten mehr Boni aus, als vor der Krise. Verkehrte Welt.
Leider gibt es kein Haftungsprinzip! Die mangelnde Haftung beruht auf der engen Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft. Zwischen beiden ist eine lukrative Drehtür installiert und es werden Posten und Ämter ausgetauscht und zugeschanzt. Dadurch gibt es keine Änderung und keine Haftung. Man sägt nicht auf dem Ast auf dem man sitzt oder mal in Zukunft sitzen möchte.

Worin liegen denn Ihrer Meinung nach die Gründe, dass an einem derart windigen System festgehalten wird und nicht ein anderes, solides Geldsystem zum Zuge kommt?

Ganz einfach: Weil diejenigen die entscheiden davon profitieren. Es geht um Macht und Geld.

Ist es nicht doch komplexer? Es entscheiden Volksvertreter, das Verfassungsgericht hatte bisher nur wenige Einwände gegen entsprechende Klagen und die Handhabung der Bundesregierung erfährt gesellschaftlich zumindest eine Duldung, wenn nicht sogar breite Akzeptanz.

Selbstverständlich. Aber in der Quintessenz ist das, um was es geht, pure Macht, Gier und Geld. Alles andere sind mehr oder weniger nützliche Vehikel. Das Verfassungsgericht macht es sich recht einfach und verschiebt die Problematik ein paar Kilometer über die Grenze zum europäischen Gerichtshof. Fakt ist, dass die EZB Aufkaufs-Programme gegen geltende deutsche Gesetze verstoßen. Daran gibt es nichts zu rütteln. Mich würde es doch sehr wundern wenn die EU Gerichte dies nicht auch so sehen.
Ich denke die meisten stimmen zu weil sie sich nicht dafür interessieren oder auch Sorge haben, was passieren könnte wenn der Euro kippt. Das sind Grundängste, die in jedem Menschen schlummern. Man hofft darauf, dass man sich so durch die Krise durchschlawinern kann – jedoch ist dies langfristig nicht möglich.

In Ihrer früheren Publikation „Der größte Raubzug der Geschichte„, die Sie ebenfalls zusammen mit Matthias Weik veröffentlichten, haben Sie sich bereits weitgehend mit den Problematiken der Dauerkrise befasst – Forderungen nach einem ganz neuen Geldsystem inklusive. Doch wie könnte das aussehen und auf welche Weise ließe sich so ein gewaltiges Projekt überhaupt umsetzen?

An dieser Stelle möchte ich unserer Bundeskanzlerin ganz deutlich widersprechen. Es gibt immer Alternativen. Nichts ist alternativlos – bis auf den Tod. In unserem neuen Buch „Der Crash ist die Lösung“, das am 16. Mai 2014 erscheinen wird, werden wir Alternativen und Lösungen aufzeigen. Der Wandel hin zu einem neuen Geldsystem wird mit enormen Veränderungen und immensen Kollateralschäden vonstattengehen.

Wenn das tatsächlich so ist, wird sich nicht nur die Merkel-Regierung auf keine Änderung einlassen sondern gar keine Regierung. Welchen Impuls sollte es also geben, damit es zu einer Änderung kommt?

Der Crash ist die Lösung! Leider ist es so, dass die Menschheit entweder aus der Vergangenheit nicht lernt oder schnell wieder vergisst. Wir haben momentan noch die Möglichkeit, freiwillig den notwendigen Wandel herbeizuführen und ein neues System zu implementieren. Oder wir werden durch ein katastrophales Ereignis dazu gezwungen, einhergehend mit enormen Kollateralschäden und Wohlstandsverlusten. Leider ist es so, dass wir Menschen erst aus unserer Bequemlichkeit herausfinden, wenn der Leidensdruck und der Schmerz groß genug sind.

Und welche Alternativen gibt es? Sie sagten, es gebe immer welche, bis auf den Tod.

Wir brauchen ein neues Banking, bei dem wieder der Mensch und die Allgemeinheit im Mittelpunkt stehen und nicht die Gier und der Profit. Wir brauchen ein neues Geldsystem, das sich nicht verselbständigen kann oder von einer kleinen Minderheit exzessiv benutzt wird zum Nachteil der restlichen 95 Prozent.

Wir sollten auch aus der Vergangenheit lernen. Währungsunionen und ungedeckte Papiergeldsysteme sind ausnahmslos gescheitert. In und nach jeder Krise haben sich die Menschen immer wieder auf das wahre Geld zurückbesonnen: Gold und Silber. Zu diskutieren wäre auch das Vollgeldsystem, ein Goldstandard etc. Das Trennbankensystem muss wieder installiert und eine Haftung für alle Banker, Politiker und Manager eingeführt werden. So wie das bei jedem Unternehmer und jeder Privatperson ganz selbstverständlich der Fall ist. Dann wäre der maßlosen Spekulation und Verschwendung von Steuergeldern ein Ende gesetzt. Auch im römischen Reich mussten die Entscheidungsträger mit Haus und Hof haften.

Welche Hoffnungen für die Zukunft haben Sie?

Dass wir spannende Zeiten erleben. Wir haben die einmalige Möglichkeit und die einmalige Chance in unserer Lebenszeit ein gerechteres und menschlicheres Finanz- und Wirtschaftssystem zu implementieren. Wir hoffen von Herzen, dass wir den Weg freiwillig einschlagen, ohne allzu große Schäden zu erleiden und dass wir endlich aus der Vergangenheit lernen.

(Cover: Eichborn Verlag)

(Cover: Eichborn Verlag)

Der Crash ist die Lösung:

Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Eichborn Verlag; Auflage: Aufl. 2014 (16. Mai 2014)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3847905546
ISBN-13: 978-3847905547

Euro: 19,99
+++Erscheinungstermin: Mai 2014+++



9 Kommentare zu "Bankenkrise – Ist nur der totale Crash die Lösung?"

  1. BSC4ever 10. Februar 2014 at 09:57

    Erst seid ihr ein paar Tage offline und dann bringt ihr so ein Knaller!
    Super!

    Dann könnt ihr gerne öfters offline gehen 😉

    Antworten
  2. thewisemansfear 10. Februar 2014 at 10:08

    Das fing ja ganz vielversprechend an, nur im vorletzten Absatz zeigt sich, dass die Autoren doch nur auf den populistisch instrumentalisierten Gold- und Silberzug aufspringen wollen.
    Zu 100% gedeckte Währungen sind zum Einen ein Mythos. Geld basiert immer auf Vertrauen, da es sich im Grunde genommen um Forderungen auf eine bestimmte Leistung handelt. Wer denkt, Geld sei ein Wertaufbewahrungsmittel, hat das Geldsystem letzten Endes nicht verstanden. Nur, wie soll man dann zu echten Lösungen kommen?
    Zinsen erzeugen einen Wachstumsdruck in der Gesamtwirtschaft, nur kann eine endliche Welt nicht unendlich wachsen. Nachhaltigkeit wird das große Zukunftsthema.

    Antworten
    • luismarzahn 10. Februar 2014 at 13:39

      Das sehe ich nicht so. Gold und Silber werden ergänzend erwähnt genauso wie das Vollgeldsystem usw.
      Des Weiteren muß ich Ihnen als Historiker widersprechen. Über verschiedene Zeiträume der Menschheit waren 100% gedeckte Währungen vorhanden. Nämlich in Form von Gold- und Silbermünzen.

      Bei dem Thema Zinsen bin ich bei Ihnen.

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      • thewisemansfear 11. Februar 2014 at 11:07

        Ich glaube, dass Sie mich mit dem Mythos missverstanden haben. Auch wenn offiziell eine 100% Deckung durch Gold (oder was auch immer) bestanden hat, lag immer mehr von den „harten Bestandteilen“ nur noch im Tresor, während die Schuldverschreibungen darauf als Geld zirkuliert haben. Da man (der Bänker) davon ausging, dass niemals alle gleichzeitig ihre papiernen Forderungen einlösen würden, konnte man mehr „Geld“ emittieren, als im Tresor lagerte. Heute ist dieses Prinzip mit dem Mindestreservesystem und dem rechtlich bedeutsamen Unterschied zwischen Zentralbankgeld und Giralgeld auf die Spitze getrieben.

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  3. luismarzahn 10. Februar 2014 at 11:49

    Klasse Interview und sehr interessante und intelligente Gedankengänge. Ich bin auf das Buch gespannt.

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  4. Sibi78 11. Februar 2014 at 12:12

    Wieso wird so etwas wichtiges nicht auch bei Spiegel, Welt, FAZ, ZEIT etc. veröffentlicht???

    Nur Dank eines Bekannten bin ich auf dieses tolle Interview aufmerksam geworden.

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  5. Dr.Alfred B. 15. Februar 2014 at 10:24

    Smarte Argumentationskette der ich nichts mehr hinzufügen kann.

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  6. Beatrix Petrikowski 12. Juni 2014 at 17:38

    Egal, ob jemand über viel oder wenig Vermögen verfügt. Für jeden lohnt es sich, zumindest auf einige Kapitel einen Blick zu werfen. Es ist einfach unglaublich, was die beiden Ökonomen da aufdecken und mir haben sich manchmal beim Lesen die Nackenhaare gesträubt. Ich frage mich, was noch passieren muss, bis die Menschen in Europa auf die Straßen gehen.

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  7. Hans G 26. Juli 2014 at 00:30

    Das Buch kenne ich noch nicht, die Diskussion hier macht mich neugierig.
    Die Zinsen sind das Problem. Zinsen bedeuten exponentielles Wachstum. Das führt zwangsläufig zum Crash.
    Niedrige Zinsen zusammen mit niedriger Inflation bedeuten, dass das Vermögen erhalten bleibt.
    In allen Produkten, Lebensmttel, Auto, Miete usw ist eine höher Zinsanteil enthalten, mindestens 30%. Nur die oberen 10% kassieren Zinsen, alle anderen zahlen. Das ist der Grund für die Einkommensschere.

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