Jürgen Vielmeier / 20. Januar 2014 / 1 Kommentar


Wir sitzen auf einer Kiste voll Gold

Gute neue US-Comedyshow sind derzeit Mangelware. Verschläft das deutsche Fernsehen auch hier wieder eine Chance? Statt “Bulle von Tölz”, platte Klischees à la “Männerherzen”, “Weißichwiewenig Ohrenhasen” und Daily-Soap-Format à la “GZSZ” etwas eigenes. Serien mit bekannten Schauspielern, starkem Drehbuch und einer neuen Handlung, kein Remake eines US-Formats.

Nachdem ich mich an „Big Bang Theory“ und „How I met your mother“ seit ein paar Monaten satt gesehen habe, habe ich mich nach anderen Comedyserien umgeschaut. „Hung“ gefiel mir anfangs gut mit der durchaus sozialkritischen Komponente. In der dritten Staffel fiel das Sozialkritische fast vollends weg und ließ etwas Komödienhaftes mit ein wenig Tragikomik zurück. Ging für mich trotzdem in Ordnung, weil es immer noch gut gespielt war und nie ins Klamaukhafte abglitt. Leider wurde die Show von HBO nach der dritten Staffel abgesetzt. Meine weitere vergebene Suche nach einer guten Comedy-Serie:

  • „Rules of Engagement“ – einfach nicht lustig
  • „Modern Family“ – gute Ansatz! Mir aber zu offensichtlich und vorhersagbar
  • „Men at Work“ – sehr amerikanischer Humor
  • „Two broke girls“ – Klischeehumor
  • „Mike & Molly“ – OMG

Außerdem habe ich langsam genug von Sitcoms, bei denen die Lacher des Publikums eingespielt werden. Hab den Sinn dahinter noch nie gesehen und langsam geht mir das auch ein- für allemal auf den Wecker. Genug davon!

Es mag nur mir so gehen, aber ich sehe derzeit keine wirklich gute neue US-Comedyshow. Wäre das nicht eigentlich die große Chance für das deutsche Fernsehen, ein eigenes Comedy-Format ins Leben zu rufen? Und ich meine jetzt hier weder „Weißblaue Geschichten“ (auch wenn die für mich schwer in Ordnung gingen), noch „Bulle von Tölz“, noch platte Klischees à la „Männerherzen“ oder „Weißichwiewenig Ohrenhasen“ und auch kein weiteres Daily-Soap-Format à la „GZSZ“ oder „Verbotene Liebe“.

Ich meine eine gute Serie mit bekannten Schauspielern, starkem Drehbuch und einer neuen Handlung, kein Remake eines US-Formats. Etwas eigenes. Etwas, das so gut ist, dass US-Sender es kopieren wollen, wie sie es mit „Hatufim aus Israel“ („Homeland”) oder “Borgen – gefährliche Seilschaften” aus Dänemark gemacht haben. Come on: Fernsehsender in Isreal und Dänemark sollen Geld für gute Formate haben, aber deutsche nicht? Der deutsche Film ist international angesehen, das deutsche Fernsehen ist ein Witz. Wir haben fantastische und international angesehene Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler. Wir sitzen auf einem Kessel voll Gold und machen nichts daraus.

Warum eigentlich nicht? Es gab sehr gute deutsche Komödien in den vergangenen Jahren: Ich denke da an „Agnes und seine Brüder“, „Oh Boy“, „Sonnenallee“, „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Alles auf Zucker“ oder „Soul Kitchen“. Es gab hoch angesehene Dramen wie „Das weiße Band“, „Gegen die Wand“, „Die Fremde“ oder „Barbara“.

Warum nicht zum Beispiel mal einen Sven Regener engagieren und „Herr Lehmann – die Serie“ produzieren? Oder wenn es lieber Drama oder Horror sein soll: „Das weiße Band“ oder „Hell“ in Serienform als Gegenstück zu „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“. Warum nicht mal einen Fatih Akin für eine zehnteilige Serie gewinnen oder den großartigen Jan Ole Gerster für einen Dreiteiler im Stile von „Oh Boy“? „Soul Kitchen – die Serie“ mit Hamburg im Mittelpunkt – warum denn nicht?

Ja, das würde eine ganze Stange Geld kosten. Ja, das würde eine große Portion Mut erfordern. Ja, es kann passieren, dass die Quote hier nicht stimmen wird. Aber soll ich euch was sagen: die Gefahr ist immer da, und es wird nicht besser dadurch, dass niemand etwas riskiert. Es gibt nur wenige erfreuliche Ausnahmen pro Jahr wie den „Tatortreiniger“ und „Unsere Mütter, unsere Väter“ – eine Serie, die allerdings sehr gute Quoten erzielte und zum Exportschlager wurde.

Und da soll niemand dazu in der Lage sein, das zu wiederholen?
Niemand, der eine gute Serie für das deutsche Fernsehen produzieren kann?
Kein Sender, der Geld dafür hätte, eine aufwändige Serie zu produzieren?
Kein Intendant oder Produzent, der den Mut dazu hätte, das zur besten Sendezeit auszustrahlen?
Kein Drehbuchschreiber mit einer Idee für eine gute Serie?
Keine bekannten Leinwand-Schauspieler, die sich für eine qualitativ hochwertige Serie hergäben, wenn sie sich nicht einmal für eine Reihe von lächerlichen McDonald’s-Werbespots zu schade sind?
Kein deutscher Regisseur, der genug Zeit für eine solche Produktion hätte?

Wirklich niemand?



Ein Kommentar zu "Wir sitzen auf einer Kiste voll Gold"

  1. Peter Nichtschnurz 16. Januar 2014 at 20:28

    Das Problem dabei scheind doch zu sein, dass die Öffentlichrechtlichen mehr als 9 Mrd Euro an abgehalfterte Politiker, Kirchenvertreter und Pseudojournalisten zu verteilen haben, welche in den Aufsichtsräten sitzen. Desweiten unzählige Sparten- und Radiosender zu finanzieren, damit auch alle Wegbegleiter ihr Einkommen haben. Auch müssen alle Absolventen der Schauspielschule „Ernst Busch“ und vorrangig die ehemaligen Grössen des DDR Fernsehfunk versorgt werden. Was bleibt dann noch übrig um gute Serien zu Produzieren?

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