Marlen Albertini / 11. Juni 2013 / 6 Kommentare


Hochwürdens Upgrade auf die Luxusklasse

Schlappe 15.000 Euro soll die Badewanne gekostet haben, in der Tebartz-van Elst offensichtlich in Kürze im wahren Wortsinn baden geht. Prunk und Protz sind in der katholischen Kirche kein neues Phänomen. Doch nun hat der smarte Bischof eindeutig überzogen. Die scheinheiligen Schäfchen zeigen sich erbost.

Tebartz-van Elst

Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst (Foto: Bistum Limburg)

 
Um es gleich vorweg zu konkretisieren: Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, seines Zeichens Bischof von Limburg, hat sich offensichtlich in seinem Bistum eine üppige Luxus-Oase geschaffen. Hinsichtlich der Prunkbauten steht er jedoch rechtlich auf der sicheren Seite. Für sein Etablissement hat er keine öffentlichen Gelder verschwendet, sondern (ohne Veto des Vermögensverwaltungsrates!) tief in die bistumseigene Schatulle gegriffen.

Mein Haus, meine Kapelle, meine Badewanne

Einige Medien offerieren ihre Berichterstattung so, als handle es sich bei dieser Verschwendungssucht um einen Straftatbestand. Ist es aber nicht. Luxussanieren darf der Bischof in Hinblick auf legitimierte Handlungsspielräume ebenso, wie er seine Miles & More der Lufthansa für ein Upgrade zur Luxusklasse verwerten darf, anstatt sie zu spenden. So unappetitlich ein solches Verhalten auch wirken mag, das sich durchaus auch in der Politik beobachten lässt, Verdrehungen der Tatsachen sind nicht angebracht. Der Staatsanwalt schaltet sich aufgrund des Straftatbestands eines Meineids ein und das steht auf einem ganz anderen Blatt. Eine Verfahrensaufnahme wird erst noch geprüft.

Es brodelt die moralische Empörung

Während „Würdenträger“ Tebartz-van Elst also in Sachen Luxus-Eskapaden rechtlich kaum etwas zu erwarten hat, brodelt die moralische Empörung. Sie führt am Ende wohl zu deutlichen Konsequenzen für den protzigen Bischof. So stark kann die Hand der ansonsten so lammfrommen Schäfchen sein. Beweisen die Gläubigen vor dem Herrn damit eigene moralische Kompetenz? Schließlich predigt die Bibel durchaus auch den Umgang mit den Sündern unter uns. Angesicht der derzeitigen Hetzjagd auf Tebartz-van Elst in den Medien und durchaus auch vor Ort lässt sich davon nicht allzu viel erkennen.

Der Teufel könnte es auch nicht besser

Die Massen werden angeheizt und der Mann wird gejagt, wie es der Teufel wohl auch nicht besser könnte. Ist das christlich? Wahr ist, dass der bistümische Neubau komplett aus den Fugen geraten ist. Statt schlanke 5,5 Millionen kostet er nun über 31 Millionen Euro. Die Kostenlawine kann nicht allein auf dem Mist von Hochwürden gewachsen sein, denn allzeit war der Vermögensverwaltungsrat gehalten, Kontrollen durchzuführen. Sofern er solche Eskapaden dudelte, steht eine Mitschuld außer Zweifel. Insgesamt sind wohl im gesamten Bistum die Sicherungen durchgeknallt und man glaubte sich bereits im irdischen Paradies.

Mediale Hetzjagd unappetitlich

Bis alles restlos aufgeklärt ist, hat allerdings auch ein maßloser und komplett aus den Fugen geratener Bischof ein Recht darauf, sich zu Beschuldigungen zu äußern. Kein Recht hingegen gibt es auf die mediale Hetzjagd, die seit Tagen betrieben wird und an die öffentliche Hinrichtung im Fall des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff erinnert. Nach dessen Jagd blieb nicht allzu viel hängen von den massiven Vorwürfen – außer eben ein gebrochener Mann. Im Fall Tebartz-van Elst werden sich die Millionen eher nicht Stück für Stück revidieren lassen. Die goldenen Wasserhähne, ein tiefergelegtes Fundament und allerlei weitere Pompösitäten tragen Zeugnis.

Es geht um Maßlosigkeiten, nicht um Mord

Der Bischof hat also gefehlt. Es geht um Maßlosigkeiten, nicht um Mord und Totschlag. Rücktritt des Protagonisten und eine komplette Neubesetzung des Vermögensverwaltungsrates wären angemessen, Vergebung nobel. Immerhin zeugen die Bauten im Protz-Bistum von exzellenter Baukunst. Dafür werden die Limburger irgendwann sogar dankbar sein. Für die vielen scheinheiligen und vermeintlich bibeltreuen Schäfchen unter uns, die nicht selten selbst jeden sich bietenden Vorteil in Anspruch nehmen, sei der Blick ins selbiges Werk angeraten. Selbst der halbwegs belesene Agnostiker kennt die vakante Stelle in der Bibel, die für solche Fälle zuständig ist:

„Denn wenn ihr den Menschen ihre Übertretungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Übertretungen auch nicht vergeben.“ (Matthäus 6, Vers. 14-15)



6 Kommentare zu "Hochwürdens Upgrade auf die Luxusklasse"

  1. Robert Saam 11. Oktober 2013 at 15:37

    ..eine echte Steilvorlage für den Kölner Nestor dieses kopflosen Mitrenträger. Wo bleibt die Erwähnung, dass dieser Hirte seine
    Schafe traktierte/schikanierte.
    Bei dieser wohlfeilen Geschwätzigkeit ist dem Schreiberling auch
    entgangen, dass man einer Bibelstelle keine Auszeit(Vakanz) verordnen kann. Oh Philosophus, si tacuisses…

    Antworten
    • Thea Riemers 11. Oktober 2013 at 16:16

      Der Kommentar trifft es doch auf den Punkt und der Scheinheilige findet sich im Spiegel wieder und dann schmollt er. Mal was anderes, als das anklagende Geplänkel anderswo zumal der ironische Ton m.E. kaum überhörbar ist.

      Antworten
  2. A. Albrecht@t-online.de 11. Oktober 2013 at 16:09

    immerhin wurden zig Handwerker vor Ort beschäftigt. Alles hat Vor- und Nachteile:-)

    Antworten
  3. Murmeltier 11. Oktober 2013 at 16:30

    Die Protzerei in der kath. Kirche ist doch nichts Neues. Limburg setzt nur fort, was seit Bestehen dieser Organisation üblich is. Die Kirchenmitglieder haben es bisher hingenommen, warum jetzt plötzlich das Drama?

    Antworten
  4. HaPe 11. Oktober 2013 at 17:33

    Was sich diese Kirche alles erlabt hat, da ist das nur die logische Fortsetzung.

    Antworten
  5. Eberhard Herold 12. Oktober 2013 at 03:07

    Richtig ist, dass überbordender Luxus bei den Kirchenoberen der Katholischen Kirche eine lange Tradition hat! Man denke nur einmal an die teuren Gewänder! Immerhin hält man sich für die einzig wahren Vertreter Gottes auf Erden und für seine Vertreter und ihn selbst ist das Beste gerade gut genug! Wer daran nichts Erbauliches finden kann, darf in den Franziskanerorden eintreten, dort wird die Armut – wenigstens äußerlich – noch hochgehalten! Unter strikter Observanz der Kurie würde der Franziskaner-Orden schließlich, immer wachsam beäugt, genehmigt, als ein Sammelbecken für die luxusfeindlichen Schäfchen, die der Kirche nicht verloren gehen dürfen… Aber der wahre Kenner schätzt Gold und höchsten Luxus, alles „ad maioram gloriam dei“ und seiner Oberen… damit man genau sieht, wen man vor sich hat, lol!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.