Ursula Pidun / 27. Oktober 2011 / 1 Kommentar


Absurdes Geldsystem – Interview mit Prof. Dr. Franz Hörmann

Univ.Prof. Franz Hörmann hat in diesen Tagen die Äußerung getätigt, es gebe ein "systemisches Betrugsmodell einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird". Wir haben nachgefragt. Im Gespräch mit dem Wirtschafts- und Finanzexperten Prof. Dr. Franz Hörmann, Wien.

Univ.Prof. Franz Hörmann, macht in diesen Tagen besonders von sich reden. Der Experte für Finanz- und Wirtschaftsfragen verblüfft mit Äußerungen zur anhaltenden Finanzkrise und zu unserem Geldsystem. Demnach gebe es ein „systemisches Betrugsmodell einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird“. Und er erklärt weiter: „Wenn man aber Geld aus Luft erfindet und das, was vorher noch nicht existiert hat, verzinst weiter gibt und dinglich absichern lässt, dann ist das, wenn das Geschäftsmodell schief geht, in Wahrheit ein Enteignungsmodell.“ Wir haben nachgefragt. Im Gespräch mit Prof. Dr. Franz Hörmann, Wien über Betrug, Finanzkrisen, ein neues Geldsystem und die Rückkehr zur Vernunft.

Foto: F. Hörmann

Foto: F. Hörmann

Prof. Hörmann, Sie haben mit Ihren Äußerungen zum Geldsystem im wahren Wortsinn viel Staub aufgewirbelt. Denn dieses System wird in dieser Form schon seit Ewigkeiten praktiziert. Worin liegen in Ihrer Sicht die Gründe, dass Politiker bisher nicht das Geldsystem an sich kritisch unter die Lupe nehmen und dann eine ähnliche, auf die Ursachen ausgerichtete Diagnose des Desasters stellen wie Sie es tun?

Die Antwort auf diese Frage hängt unmittelbar mit der Natur unseres Bildungssystems zusammen. Wir werden darin, das beginnt schon in der Grundschule, nicht darauf vorbereitet, Dinge, die an uns herangetragen werden, kritisch zu hinterfragen, sondern darauf konditioniert, die Erwartungshaltungen anderer Menschen zu erfüllen, der Lehrer, der Vorgesetzten, der Amtsträger etc. Der Vorgang der Geldschöpfung im Kredit durch private Geschäftsbanken durch Bilanzverlängerung (und damit die Erzeugung einer doppelten Schuld, nämlich der Schuld des Kreditnehmers UND einer Schuld der Bank!) ist zwar gut dokumentiert und öffentlich zugänglich z.B. in der Broschüre „Geld und Geldpolitik“ der deutschen Bundesbank, ab Kapitel 3.5., es wird aber in der Ausbildung, auch an den Hochschulen, nicht auf die sich daraus ergebenden Konsequenzen (die sinnlose doppelte Verschuldung, die fehlende Erzeugung von Geld für die Zinszahlungen, die bilanzrechtliche Fragwürdigkeit der Begründung einer verzinsten Forderung mit einer bilanziellen Verbindlichkeit) hingewiesen. Daraus folgt, dass wohl 99 Prozent der Menschen, welche diese Ausbildung absolviert haben, die Problematik schlicht übersehen und der Rest einfach annimmt, irgendetwas daran falsch verstanden zu haben. Die Absurdität dieses Vorgangs ist ja so atemberaubend, dass niemand sich blamieren will, indem er öffentlich so abenteuerliche Bedenken anmeldet. Die Situation gleicht daher exakt der Geschichte von „Des Kaisers neuen Kleidern“ – man muss Verständnis heucheln um seinen guten Ruf nicht zu beschädigen!

Wer profitiert von der Schieflage dieses Systems? Nur die Banken oder wer hängt noch alles an den Vorteilen eines Systems, das es so wohl gar nicht geben dürfte?

In Wahrheit sind dies alle Menschen, die gut davon leben, dass sie „ihr Geld arbeiten lassen“. Die alte Kritik an diesem Ausspruch gründete sich in der Vergangenheit ja hauptsächlich auf moralische und humanistische Bedenken. Neu ist nun aber, dass dieser Kritik auch knallharte, sachliche Argumente zugrunde liegen, an denen auch unsere ökonomisch-rationalen Eliten nicht ohne weiteres vorbeisehen können, weil nun ganz klar beweisbar ist, dass ihre bisherigen Geschäftsmodelle (leistungslose Einkommen in Form von Zinsen, Dividenden und Kurssteigerungen) schlicht auf einem antiken Buchungsfehler beruhen und, logisch konsistente Buchführung vorausgesetzt, so überhaupt nicht funktionieren können: Im Kreislauf der doppelten Buchhaltung ist die Geldmenge an sich stets konstant, jeder finanzielle Gewinn muss daher immer zu Lasten anderer Menschen erzielt werden, da ja für jede Buchung eine Gegenbuchung existieren muss. Die einzige heute legale Methode der Geldschöpfung besteht nun aber darin, dass private Geschäftsbanken Kredite vergeben, dabei Geld erzeugen, das vorher noch nicht existierte, dies jedoch stets als verzinste Schuld, wobei aber das Geld für die Zinszahlung nie mit erzeugt wird. Diese (mangels Geld) verzinst nie rückzahlbare Schuld lassen die Banken aber durch dingliche Sicherheiten der Kreditnehmer besichern, womit es im Gesamtsystem zwangsläufig zu Enteignungen von Kreditnehmern kommen muss, da die zu geringe Geldmenge die Bezahlung der Zinsen ja nicht gestattet. Es müssen daher stets neue Kredite aufgenommen werden, um einfach die Zinsen zu bezahlen. Verschuldete Staaten sind also nicht das Ergebnis fahrlässiger Politik sondern das Resultat eines Systemfehlers in der Buchhaltung der Geschäftsbanken.

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Ein Kommentar zu "Absurdes Geldsystem – Interview mit Prof. Dr. Franz Hörmann"

  1. Schorsch Dreher-Pellhammer 18. März 2015 at 22:55

    ja, endlich.
    es ist schon lange an der Zeit, Denker wie Franz Hörmann zu Wort kommen zu lassen.
    Im Hinblick auf „Blockupy“ ein durchaus gelungenes Interview.
    Intelligente Fragen ergeben intelligente Antworten.

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