Marlen Albertini / 20. August 2013 / Keine Kommentare


Floskelparaden zur Bundestagswahl

Wie steht es gut sechs Wochen vor der Bundestagswahl um die Wahlkampfstrategien der um die Gunst der Bürger buhlenden Parteien? Mit einer Ausnahme eher katastrophal. Die Protagonisten wirken erschöpft und dennoch siegessicher. Offensichtlich zielen sie darauf ab, mit „Weiter so“ und Nichtstun vollautomatisch Amt und Würden zu erobern. Eine fatale Strategie!

Wahlkämpfe zählen zu den eher unliebsamen Aufgaben der Politiker. Zur Bundestagswahl kann es unter Umständen zum großen Stühlerücken im Parlament kommen. Umso nützlicher sind Wahlkampfstrategien. Es hilft möglicherweise, Schlimmeres zu verhindern. An den meisten Parteien geht diese Einsicht allerdings relativ uneinsichtig vorbei. „Geht`s bitteschön noch lahmer?“, fragt so mancher Wähler und reibt sich angesichts hohler Phrasen auf bunten Plakaten die Augen.

Foto: ftp.de

Foto: ftp.de

FDP tappt im Wahlkampf-Dunkel

Wer wissen will, wohin die FDP will, tappt derzeit im Dunkeln. Allenfalls schimmert seit Bekanntwerden merkwürdiger Forderungen der bevorzugten Apotheker-Spezie einmal mehr die FDP-typische Klientel-Politik durch. Die nämlich möchte sich künftig Beratungen in der Apotheke vom Kunden extra versilbern lassen und zwar über den Weg von Zwangszahlungen. So viel zur Freiheitspartei. Die FDP will halt die Mitte (dort, wo das Portemonnaie sitzt) entlasten. Ob sie damit die Bundestagswahl gewinnt?

CDU stellt Floskel-Parade vor

Auch bei der CDU ist irgendeine Wahlstrategie jenseits von „Weiter so!“ nicht erkennbar. Dennoch läuft die Wahlkampfzentrale bereits heiß: „In die Hände spucken und anpacken“, lautet dort die Devise. Dabei heraus kam eine einzigartige Wahlplakat-Werbeaktion. Überzeugen Sie sich selbst: Zur Floskelparade. Warnung: Laut CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe soll es zu weiteren „Plakatierungswellen“ kommen.

DIE LINKE kann auch nicht wirklich punkten

Ebenso wenig überzeugt DIE LINKE. In einem Wahlwerbesport kommen die Bürger zu Wort, oder doch nicht? Aufmunternd und ermutigend wirkt der bereits abrufbare Wahlwerbespot jedenfalls nicht:

 

„Hello“ Grüne, alles klar?

Foto: Grüne.de

Foto: Grüne.de

Die Wahlstrategie von Bündnis 90/Die Grünen schließlich dröhnt wie ein Maßregel-Katalog in den Ohren. Hier dreht sich alles um Geld, hohe Kosten und Vorschriften ohne Punkt und Komma. Teure Energiewende, Steuererhöhungen, fleischloser, kollektiver Erziehungstag…etc. Im Wahlwerbeplakat wird der Bürger schon mal vertrauensvoll geduzt. Es wird unablässig für Kitas geworben, damit Mama ganztags arbeiten kann. Sehr einfallsreich…!

Einer tanzt aus der Reihe

Aus der Reihe der Langweiler tanzt derzeit lediglich die SPD. Selbst dann, wenn die Parteiprogramme (ewige Leier von der Steuererhöhung als Allheilmittel, permanenter Kampf gegen ein eigentlich doch selbstverständliches Betreuungsgeld etc.) gegen den eigenen Strich gehen, so bietet diese Partei zumindest eine gezielte Wahlstrategie. Frühzeitig wurde Steinbrück als Kanzlerkandidat vorgestellt. Bewusst bringt Peer Steinbrück Emotionen und Familie mit ins Spiel.

 

 

Foto: cdu.de

Foto: cdu.de

Besser geht es in Hinblick auf die Gegenspielerin Merkel kaum, die sich lieber hinter Floskeln und Geheimniskrämereien versteckt und privat allenfalls preisgibt, dass ihr Joachim mehr Streusel auf dem Kuchen wünscht.

Strategie mit Rückfall

Während die Kanzlerin in Italien ganz entspannt über 3000 Meter hohe Berge bezwingt und sich danach noch ein wenig in der brandenburgischen Datsche erholt, zeigte Steinbrück geschickt den gesamten Sommer über Präsenz. Frühzeitig präsentierte die SPD die Aufstellung eines Kompetenzteams und macht seither klar verständliche Ansagen, welchen Weg die Partei im Falle eines Falles gehen will.

Sie bleibt die Agenda-Partei

Dabei ist und bleibt sie die Agenda-Partei, die sich selbst nicht viel, den anderen hingegen alles zugemutet hat. Duminglöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und niedrige Renteneinkünfte sowie eine drastische Liberalisierung der Finanzmärkte gehen auf das Konto der damalige rot-grünen Koalition. Das sollte angesichts der raffinierten Wahlstrategie nicht in den Hintergrund gedrängt werden.

So durchdacht und omnipräsent sich die SPD im Wahlkampf auch beweist – bei der Plakat-Wahlk(r)ampf-Parade droht der strategische Rückfall. Die Plakat-Kampagne stellt sich in Teilen so bieder und nichtssagend dar, wie bei der CDU. Daran ändern auch die Merkel-Provokationen nichts. Es ist und bleibt zum Gähnen und haut den klassischen Nichtwähler garantiert nicht aus den Socken.
 
Dominik Storr über Wahlen & Nichtwähler +++Zum Video+++
nichtwaehler



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Abonnieren