Ursula Pidun / 2. Januar 2014 /


„Die meisten können mehr aus sich herausholen“

Carsten Maschmeyer zählt zweifelsfrei zu Deutschlands erfolgreichsten Unternehmern. An dieser Feststellung kommen auch mögliche Kritiker nicht vorbei. Welche Bedeutung hat Erfolg in Hinblick auf das persönliche Glück und gibt es eine Formel für Erfolg aber auch für den garantierten Misserfolg? Wir haben nachgefragt. Im Gespräch mit dem Unternehmer und Autor der Publikation "Selfmade", Carsten Maschmeier.

Carsten Maschmeier
(Fotograf: Nicolay Georgiev; cc by C. Maschmeyer)

Herr Maschmeyer, wer an Erfolg denkt, dem fällt durchaus auch schnell einmal Ihr Name ein. Gibt es eine Formel für Erfolg?

Erfolg gibt es nicht im absoluten Sinne. Jeder Mensch definiert Erfolg für sich selbst. Für einen Sportler heißt Erfolg auf dem Treppchen zu stehen, ein Arzt spricht vom Heilungserfolg bei seinen Patienten, für Studenten ist Erfolg eine erfolgreich bestandene Prüfung, Erfolg kann auch sein, 10 Kilo abzunehmen, wenn man sich dies vorgenommen hat.

Fest steht, Erfolg definiert sich nicht automatisch nach materiellen Werten, deshalb ist das Streben nach Reichtum nicht gleichbedeutend mit dem Weg zu Glück und Erfolg. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass man Erfolg erlernen kann und ich bin davon überzeugt, dass die meisten mehr aus sich herausholen können.

Und gibt es auch eine Formel für den praktisch garantierten Misserfolg?

Meine Devise hier lautet: Es gibt keine Erfolgs-Garantie! Aber wenn Sie nicht den Mut haben, es zu probieren, haben Sie eine Misserfolgs-Garantie! Mut ist für mich als Unternehmer einer der zentralen Faktoren, der oft fehlt und weshalb Ideen scheitern.

Den meisten Menschen sind Sie als Gründer der AWD Holding AG bekannt. Neben unglaublichen Erfolgen kam es hier allerdings auch zu Vorwürfen und Kritik. Welches Resümee ziehen Sie persönlich aus den AWD-Zeiten?

Ich bin mit Haut und Haaren Unternehmer und Investor und hatte damals die unabhängige Finanzberatung erfunden. Mein erstes Unternehmen, den AWD -immerhin ein M-DAX Unternehmen- habe ich vor sechs Jahren verkauft, als es in Bezug auf Umsatz, Gewinn und Image hervorragend da stand. Wenn ich gefragt werde, werde ich nicht müde zu erklären, was die Gründe für die heutigen negativen Schlagzeilen sind. Ansonsten schaue ich grundsätzlich nach vorn und konzentriere mich auf meine bestehenden 40 Firmen und Beteiligungen an Unternehmen innerhalb der Maschmeyer Group.

Lassen sich Rückschläge aus Ihrer Sicht so verarbeiten, dass sie am Ende nicht nur bewältigt sondern auch von Nutzen sind?

Absolut, das ist sogar entscheidend, um erfolgreich zu sein. Rückschläge bezeichne ich auch in meinem Buch als „Vorschläge für die Zukunft“. Entscheidend ist hierbei aus Fehlern zu lernen: Die, die selbst erkannt und eingestanden werden: Das steht für Selbstreflektion und Aufrichtigkeit.

Sie investieren gerne in aussichtsreiche Start-Up-Unternehmen. Woran erkennen Sie echtes Potenzial, um nicht auf das falsche Pferd zu setzen?

Ich setze auf mein Gespür für Märkte, Themen und Trends. Außerdem macht es mir Spaß den jungen Unternehmern nicht nur mit Wagniskapital beim Wachsen, sondern auch mit meiner unternehmerischen Erfahrung und meinem Netzwerk zu helfen. Und ich schaue mir die Personen hinter dem Unternehmen genau an. Was sind das für Menschen? Ich sehe schnell, was ich ihnen zutrauen kann oder ob das Team harmoniert. Es gibt kein Investment, bei dem ich mir die handelnden Akteure nicht in mindestens zwei persönlichen Treffen genau anschaue.

Welche Kriterien sollten bei Gründern denn aus Ihrer Sicht unbedingt erfüllt sein, damit eine Unternehmung Aussicht auf Erfolg hat?

Es gibt einen Spruch, der dazu passt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich meine damit, dass man im Rahmen eines vertretbaren Risikos mutig sein muss, Neues auszuprobieren, alte Wege zu verlassen. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Idee zündend ist, der Unternehmer etwas wagt und eine gute Umsetzungskompetenz hat, kommt der Erfolg meist automatisch.

Und wann sollte man die Finger auf jeden Fall von der Sache lassen?

Ich selbst investiere nur in Branchen bzw. Unternehmen, von denen ich mir selbst ein Bild gemacht habe bzw. weiß, wie deren Marktumfeld und Wettbewerb aussehen und welches Potenzial dort liegt. Es müssen die Leute stimmen und das Marktkonzept.

Sie haben jüngst in einen Limousinen-Service investiert. Was hat sie gereizt, um sich gerade hier einzukaufen?

Eine interessante Marktentwicklung: Vor eineinhalb Jahren ist der Limousinen Service Blacklane mit fünf Limousinen in Berlin gestartet. Heute ist der Service in 15 deutschen Städten sowie zehn weiteren europäischen Metropolen verfügbar. Mehr als 1000 Fahrzeuge fahren für Blacklane und im Mai expandierte das Unternehmen sogar in die USA. Diese Entwicklung hat mir gefallen und deshalb habe ich meinen Anteil von 11% auf über 25% erhöht, um diese Expansion weiter voran zu treiben.

Gibt es schon weitere Ideen für Investments in der nahen Zukunft?

Bei unserer Anlageentscheidung gehen wir sehr strategisch und langfristig denkend vor. Wir überlegen: Was wird immer gebraucht? Zum Beispiel die weltweit wertgeschätzte Qualität des deutschen industriellen Mittelstands. Oder: Was ist der Bedarf der Zukunft bzw. welche Trends gibt es? Wir sehen zum Beispiel einen wachsenden Markt für E-Learning, für Medizintechnik und eine ganze Reihe von Internetthemen, die Branchen verändern können.

Wenn Sie drei Wünsche für die Zukunft frei hätten, welche wären es?

Da sehe ich unternehmerische und persönliche Wünsche:

  • Noch mehr Unternehmern mit meiner Erfahrung zur Seite stehen
  • Erfindungen vorantreiben, die vielen Menschen das Leben erleichtern
  • Und über allem stehen natürlich Gesundheit und Wohlergehen meiner Familie

 



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